Geschichtliche Entwicklung

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Altes Schulgebäude der heutigen HLFS

Die Wahrnehmung der Aufgaben des Brandschutzes erforderte schon immer eine entsprechende Ausbildung der Feuerwehrangehörigen. Da für die rechtlichen Regelungen des Brandschutzes die Bundesländer zuständig sind, haben die Länder nicht nur eigene Brandschutzgesetze, sondern unterhalten auch eigene Feuerwehrschulen. Die Ursprünge der Hessischen Landesfeuerwehrschule gehen zurück auf das Jahr 1933.

Am 15. Dezember 1933 trat in Hessen ein neues Feuerlöschgesetz in Kraft, das den Provinzialfeuerwehrverbänden die Pflicht auferlegte, eine Feuerwehrschule zu errichten und zu unterhalten.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die freiwilligen Feuerwehren von den Feuerwehrverbänden an meist wechselnden Orten in den Provinzen ausgebildet.

Obwohl diese Bemühungen der Verbände beachtenswert waren, war der Erfolg nicht immer gewährleistet. Es fehlten geeignete Unterrichtsmittel und Räume. Auch geeignete Lehrkräfte standen nicht immer zur Verfügung. Der Andrang hingegen zu den Plätzen war sehr groß, bei dieser Organisation der Ausbildung konnte nur ein sehr geringer Teil der Feuerwehrmänner geschult werden. Die Verhältnisse waren in den anderen preußischen Provinzen und deutschen Ländern ähnlich.

Der große Bedarf an Ausbildungskapazität begründete sich durch einen bedeutsamen Umbruch, dem das freiwillige Feuerwehrwesen in dieser Zeit unterlag. Drei Entwicklungsvorgänge kennzeichneten diese Veränderungen. Da war einerseits die erhebliche Zunahme an Gründungen freiwilliger Feuerwehren an Stelle der bisherigen Pflichtfeuerwehren, andererseits die Ausrüstung auch der Feuerwehren auf dem Lande mit Tragkraftspritzen und schließlich die Einführung neuer Methoden zur Brandbekämpfung, z. B. die Dreiteilung des Löschangriffs. Man erkannte, dass ohne eine zentrale Ausbildungsstätte die gestellten Aufgaben nicht mehr zu erfüllen waren.
Da anfänglich kein eigenes Gebäude zur Verfügung stand, wurde die Schulung von den Feuerwehrverbänden getrennt in Wiesbaden und Hersfeld weitergeführt.

Verhandlungen mit dem Jugendherbergsverband in Kassel führten schließlich dazu, dass die Kasseler Jugendherberge für Lehrgänge zur Verfügung gestellt wurde. Der erste Schritt zu einer zentralen Ausbildungsstätte war getan, der Schulungsbetrieb begann. Die Lehrgangsteilnehmer, nun internatsmäßig untergebracht und auch gemeinsam verpflegt, nahmen dies gerne an. Die sich daraus ergebende erhebliche Kosteneinsparung gegenüber der bisherigen Unterbringung in privaten Bürgerquartieren hatte zur Folge, dass nun eine größere Anzahl von Lehrgängen stattfinden konnte. Gleichzeitig wurde dadurch ein weiteres Ziel, die Pflege der Kameradschaft als einer wesentlichen Säule des freiwilligen Feuerlöschwesens, erreicht.

Später war die Fuldastadt Rotenburg Ausbildungsstätte. Hier stand während der Ferienzeit die Jakob-Grimm-Schule und für die übrige Zeit das Schloss zur Verfügung.

So sehr man sich auch um eine optimale Ausbildung bemühte, es blieb stets ein Notbehelf. Erst als Anfang November 1934 der Preußische Innenminister mitteilte, dass unter seiner Verwaltung eine Feuerlöschkasse eingerichtet worden sei, die den Zweck habe, den Bau von Provinzialfeuerwehrschulen durch Bereitstellung beachtlicher Zuschüsse zu fördern, war der Weg für ein eigenes Schulgebäude geebnet. Nicht nur Geldmittel aus dieser neu gegründeten Preußischen Feuerlöschkasse, sondern auch aus den außerpreußischen Gebieten sowie von privaten Feuerversicherungsgesellschaften bildeten die Finanzgrundlage für den Bau und die Einrichtung von Provinzialfeuerwehrschulen.

Nach diesem „Startschuss“ setzte ein Wettlauf vieler Städte ein, die sich um den Standort der Schule bewarben. Vor allem erhob die Stadt Wiesbaden Anspruch auf die Schule und stellte sogar wahlweise einen bereits vorhandenen Gebäudekomplex oder Baugrundstücke zur Verfügung. In ähnlicher Weise bewarben sich auch kleinere Städte.

Der Reichs- und Preußische Minister des Innern entschied nach Vorlage sämtlicher Unterlagen, dass der Neubau in der Provinzhauptstadt Kassel zu errichten sei, denn Kassel war der Sitz der Aufsichtsbehörde des Provinzialfeuerwehrverbandes und des Provinzialfeuerwehrführers, der letztlich der Verantwortliche für den Schulbetrieb war. Kassel besaß zudem eine gut ausgebildete Berufsfeuerwehr, deren Erfahrungen und neuzeitlicher Gerätepark der Feuerwehrschule zugute kommen sollte.
Die Stadt Kassel stellte daraufhin eine Reihe von Grundstücken zur Auswahl, von denen nur eines den Forderungen des Erlasses entsprach. Dieses Grundstück lag am südwestlichen Stadtrand, in der Gemarkung Wehlheiden, in der Sternbergstraße. Dieses 17.500 Quadratmeter große Grundstück wurde dem Bauherrn der Provinzialfeuerwehrschule, dem Hessen-Nassauischen-Provinzialfeuerwehrverband, von der Stadt Kassel kostenlos übergeben.

Nach einer Bauzeit von etwa einem Jahr wurde die Feuerwehrschule am 15. November 1936 eingeweiht. Der Lehrgangsbetrieb konnte mit 40 Teilnehmern beginnen.

Für eine größere Anzahl von Teilnehmern war die Schule nicht ausgestattet. Hierbei darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch für das Gebiet des ehemaligen Großherzogtums Hessen in Mainz-Kastel eine eigene Feuerwehrschule eingerichtet wurde. Das Lehrpersonal der ersten Jahre an der Schule in Kassel bestand aus einem (!) hauptamtlichen Lehrer und einigen ehrenamtlichen Lehrkräften sowie Bediensteten der Berufsfeuerwehr Kassel.

Die damals an der Provinzialfeuerwehrschule angebotenen Lehrgänge waren Führungslehrgänge für die Führer der in der Provinz bestehenden freiwilligen Feuerwehren. Dazwischen wurden Lehrgänge für Löschmeister und Motorspritzenwarte geschoben. Außerdem wurden zweimal jährlich die Kreisfeuerwehrführer mit ihren Fachwarten zu einem achttägigen Lehrgang einberufen.

Jährlich wurden etwa 850 bis 1000 Feuerwehrmänner ausgebildet. Die Kosten des laufenden Schulbetriebes wurden von dem Provinzialfeuerwehrverband getragen. Dieser erhielt wirksame finanzielle Unterstützung von den Brandversicherungsanstalten. Im Laufe der Zeit stellte sich immer mehr heraus, dass die Schulanlage den Anforderungen räumlich nicht mehr gerecht wurde. Es fehlte für den praktischen Übungsdienst eine Übungshalle und ein Brandübungshaus. Auch die Einrichtung einer Werkstatt und die Erweiterung der Fahrzeughalle waren dringend erforderlich.

Im Jahr 1939 begann dann eine zweite Entwicklungsphase für die Feuerwehrschule. Aufgrund gesetzlicher Änderungen wurden die Feuerwehrverbände im gesamten Deutschen Reich aufgelöst und der Kommunale Provinzialfeuerwehrverband wurde neuer Träger der Schule. Der zweite Weltkrieg verhinderte es, dass die Erweiterungspläne umgesetzt werden konnten. Nachdem der Lehrgangsbetrieb wegen des Krieges schließlich ganz eingestellt werden musste, wurden die ersten Lehrgänge erst wieder ab Januar 1948 durchgeführt.
Die Feuerwehrschule wechselte am 1. April 1949 ein weiteres Mal ihren Träger und wurde an das Hessische Ministerium des Innern angegliedert. Seit diesem Zeitpunkt trägt die Schule die Bezeichnung „Landesfeuerwehrschule“ und es wurde damit begonnen, das Lehrpersonal aufzustocken sowie zahlreiche moderne Fahrzeuge und Geräte für den praktischen Dienst zu beschaffen.

Zum 25-jährigen Jubiläum im November 1961 wurden zusätzliche Gebäude, ein Lehrsaaltrakt, eine Übungshalle sowie ein Brandübungshaus seiner Bestimmung übergeben.

Bereits frühzeitig erkannte man in Hessen, welche Bedeutung die Jugend für die Feuerwehren hat.

Als Außenstelle der Hessischen Landesfeuerwehrschule wurde das Jugendfeuerwehrausbildungszentrum (JFAZ) 1972 in Marburg-Cappel seiner Bestimmung übergeben. Nach einer Kapazitätserweiterung im Jahre 1975 stehen dort 43 Internatsplätze zur Verfügung.
Auch in Kassel wurde eine Kapazitätserweiterung erforderlich, die im Jahre 1973 realisiert werden konnte und dazu führte, dass die HLFS fortan über 61 Teilnehmerplätze verfügte.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war jedoch erkennbar, dass die Feuerwehrschule von ihrer Anlage her zu klein war und es an dem Standort im Stadtteil Wehlheiden keine Erweiterungsmöglichkeiten gab.

Die Suche nach einem neuen Standort führte zu einem 7 ha großen Gelände, welches Eigentum des Bundes war und seit dem 1. Weltkrieg als Truppenübungsplatz bzw. als Schießanlage und später den belgischen Streitkräften als Munitionsdepot diente.
Mit den Baumaßnahmen an dem heutigen Standort, am Rande des Naturschutzgebietes Dönche, wurde im November 1977 begonnen. Die Neubaumaßnahmen erstreckten sich über acht Jahre und konnten mit der Einweihung des III. Bauabschnittes (Unterkunftsgebäude) im Jahr 1985 abgeschlossen werden.

Den Feuerwehren Hessens stand jetzt eine Feuerwehrschule mit einer Kapazität von 120 Lehrgangsplätzen zur Verfügung, die den damals aktuellen Anforderungen gerecht wurde. Die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum konnten dann bereits in den neuen Räumlichkeiten stattfinden. Mit dem Neubau der Landesfeuerwehrschule wurden auch die Voraussetzungen dafür geschaffen, zusätzlich zu dem Lehrgangsangebot für die freiwilligen Feuerwehren, auch Lehrgänge für die Berufsfeuerwehren anzubieten. Im Jahr 1990 wurde dann auch der Oberbrandmeisterlehrgang für Angehörige von Berufsfeuerwehren in das Lehrgangsangebot der HLFS aufgenommen. Recht bald stellte sich heraus, dass sowohl die vorhandenen Fachräume als auch die Anzahl der Lehrgangsplätze aufgrund der steigenden Nachfrage nicht mehr ausreichten. Deshalb wurde im Jahr 1995 in einem Teil der Übungshalle eine Zwischenebene mit Lehrsälen eingebaut und als Übergangslösung eine zweigeschossige Containerwohnanlage mit 60 Einzelzimmern zwischen der Fahrzeughalle und dem Unterkunftsgebäude errichtet. Die Gesamtzahl der Lehrgangsplätze stieg damit von 120 auf 180.

Ebenfalls im Jahr 1995 wurde der Inspektorlehrgang für Angehörige von Berufsfeuerwehren in das Lehrgangsangebot der HLFS aufgenommen.

Das Jahr 1995 war auch in weiterer Hinsicht für die HLFS ein ereignisreiches Jahr, denn am 1. Januar wurde die Katastrophenschutzschule Hessen in Geisenheim-Johannisberg als „Außenstelle Schloss Hansenberg“ mit 60 Lehrgangsplätzen von der HLFS übernommen. Diese Außenstelle wurde jedoch im Jahr 2000 wieder geschlossen und wird heute nach einem umfassenden Umbau als Internatsschule für leistungsstarke, leistungsmotivierte und sozialkompetente Schülerinnen und Schüler genutzt.
Zeitgleich mit der Errichtung der Containerwohnanlage als Übergangslösung im Jahr 1995 wurde mit umfangreichen Planungen zum Bau von weiteren Lehrsälen, Lehrmittelräumen, 120 Einzelzimmern mit Nasszelle, Büroräumen für Lehrkräfte und die Verwaltung, Aufenthaltsräumen für die Teilnehmer, einer Bibliothek sowie der Erweiterung der Küche, des Speisesaals und der Cafeteria begonnen.
Für die praktische Ausbildung wurden ein weiteres Einsatzsimulationshaus und zusätzliche Fahrzeughallen geplant.
Die erforderlichen Baumaßnahmen erstreckten sich über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren und wurden in allen Bauphasen bei Aufrechterhaltung des Lehrgangsbetriebes ausgeführt.

Am 15. Januar 1999 wurden die Erweiterungsbauten, die das „Gesicht“ der alten Schule vollständig verändert haben, feierlich eingeweiht.
Noch vor Beginn der Bauarbeiten für diesen umfangreichen Erweiterungsbau konnte die HLFS im März 1996 eine gasbefeuerte, computergesteuerte Brandsimulationsanlage, die erste derartige Anlage an einer Feuerwehrschule in Deutschland, in Betrieb nehmen.
Mit der vorhandenen Ausstattung ist sichergestellt, dass die Hessische Landesfeuerwehrschule nicht nur in allen Bereichen eine bedarfsgerechte und zeitgemäße Ausbildung gewährleistet, sondern auch hinsichtlich der Unterbringung und Verpflegung einen anerkannt hohen Standard erreicht hat.

Dieses ist auch zum maßgeblichen Anteil ein Verdienst aller Mitarbeiter der HLFS.

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