Regionalkonferenzen leisten wichtige Vorarbeit für neue FwDV2

Auch wenn die Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 2 – Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr - in ihrer aktuellen Version in Hessen erst 2012 eingeführt wurde, so reichen die Wurzeln der 99 Seiten starken Vorschrift weiter zurück. Da die Vorschrift weder gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt, noch moderne Lehrmethoden berücksichtigt, war es nach Ansicht vieler Experten höchste Zeit für eine Überarbeitung.

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Regionalkonferenz in Kassel
Erwin Baumann, der Direktor der Hessischen Landesfeuerwehrschule, fasst auf der ersten Regionalkonferenz in Kassel die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zusammen.

Auch wenn die Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 2 – Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr - in ihrer aktuellen Version in Hessen erst 2012 eingeführt wurde, so reichen die Wurzeln der 99 Seiten starken Vorschrift weiter zurück.

Direkte Vorläufer sind die FwDV 2/1 (Rahmenvorschriften) und die FwDV 2/2 (Musterausbildungspläne) von 1975, welche 2001 zur FwDV 2 zusammengefasst wurden. Mal abgesehen von einer Überarbeitung 2012 regelt die FwDV 2 also seit 16 Jahren die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren.

Da die Vorschrift weder gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt, noch moderne Lehrmethoden berücksichtigt, war es nach Ansicht vieler Experten höchste Zeit für eine Überarbeitung. Zukünftig soll die FwDV 2 dem Erwerb von Kompetenzen dienen und praxisnah sein - oder wie es der britische Philosoph Herbert Spencer treffend formulierte: „Das große Ziel der Ausbildung ist nicht Wissen, sondern Handeln.“

Vor diesem Hintergrund erteilte der Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV) im Februar 2016 der „Projektgruppe Feuerwehr-Dienstvorschriften“ den Auftrag, eine neue FwDV 2 zu erstellen. Um von Beginn an die Feuerwehrbasis mit einzubeziehen, bedient sich die Projektgruppe in allen Bundesländern sogenannten Regionalkonferenzen.

In Hessen fanden diese Konferenzen an der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel, in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) und in Michelstadt (Odenwaldkreis) statt. An den Tagungen nahmen Kreisausbilder, Vertreter der Feuerwehrverbände, Kreisbrandinspektoren sowie in Kassel ein Großteil der Lehrkräfte der Landesfeuerwehrschule teil. In Kleingruppen bearbeiteten die Teilnehmer der Konferenzen fünf vom AFKzV und der Projektgruppe Feuerwehr-Dienstvorschriften zur Strukturierung der Diskussion vorgegebene Eckpunkte:

  • Die Ausbildung soll insgesamt flexibler gestaltet werden.
  • Die Vorschrift soll sich künftig noch mehr an der Praxis orientieren.
  • Die Neufassung der Vorschrift soll der geänderten gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen.
  • Die Vergleichbarkeit der Ausbildung zwischen verschiedenen Bildungsanbietern soll erleichtert werden.
  • Ausrichtung an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Diskussion in Kleingruppen über mögliche Inhalte einer ne
Bei den Regionalkonferenzen wurde in Kleingruppen intensiv über die möglichen Inhalte einer neuen FwDV 2 diskutiert.


Bis Mitte des Jahres sollen die Gesamtergebnisse aus allen Regionalkonferenzen ausgewertet sein und gebündelt an die Projektgruppe Feuerwehr-Dienstvorschriften gehen. Nach derzeitigem Stand ist frühestens im ersten Halbjahr 2020 mit der neuen FwDV 2 zu rechnen.

Wir sprachen mit Herrn Erwin Baumann, dem Direktor der Hessischen Landesfeuerwehrschule, über die Neufassung der FwDV 2:

1. Sind Sie mit dem Verlauf der Regionalkonferenzen zufrieden? Wie bewerten Sie die Mitarbeit der sogenannten Basis?
Die Hessische Landesfeuerwehrschule und der Fachausschuss Ausbildung, Einsatz und Wettbewerbe des LFV haben die drei Regionalkonferenzen gemeinsam durchgeführt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ablauf, den Ergebnissen und der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Fachausschuss. Die Teilnahme der vielen Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden hat gezeigt, dass das Thema Neufassung der FwDV 2 und damit der „Ausbildung“ in der Feuerwehr eine hohe Bedeutung bei den Feuerwehren hat. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben engagiert mitgearbeitet und Ihre Erfahrungen mit in die Diskussion eingebracht. Die Mitarbeit der sogenannten „Basis“ war hervorragend. Viele Vorschläge und Ideen wurden eingebracht.

2. Welche Impulse kommen aus den Feuerwehren?
Von den Feuerwehren wurde das Thema Modularisierung und Flexibilisierung der Ausbildung häufig genannt. Der Einsatz neuer Medien, insbesondere von e-Learning-Angeboten, wurde als Möglichkeit der Entkoppelung von persönlichen Verfügbarkeiten und den Ausbildungsangeboten gefordert. Häufig wurde die Frage der Anerkennung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die in der Jugendfeuerwehr erworben wurden, für die Tätigkeit in der Einsatzabteilung aufgeworfen.

3. Wo drückt die Feuerwehren der sprichwörtliche Schuh, wenn es um die FwDV 2 geht?
Von einigen Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden wird die aktuelle FwDV 2 als zu starrer Rahmen empfunden, die wenig flexibel ist.

4. Kann man schon sagen, welche Auswirkungen die neue FwDV 2 auf die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren haben wird?
Nein, da wir erst am Beginn des Prozesses stehen, sind hierzu keine sicheren Aussagen möglich. Durch die Umsetzung der fünf genannten Eckpunkte, die in den Regionalkonferenzen auch bestätigt wurden, ist allerdings die Richtung der Veränderung vorgeben. Welche konkreten Veränderungen es geben wird, kann erst am Ende des Prozesses gesagt werden.